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Zulassung durch die Militärregierung vom 02.09.1946

Zulassungsschreiben

Zulassung der AWO durch die Militärregierung vom 02.09.1946

Übersetzung des Zulassungsschreibens (von Irene Pilz)

Zulassung der AWO durch die Militärregierung vom 02.09.1946

 

Niederschrift der Frau Anna Ernst, Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt, aus den Anfängen der Arbeiterwohlfahrt nach dem 2. Weltkrieg:

Zulassung der AWO durch die Militärregierung vom 02.09.1946

Übersetzung der Niederschrift (von Irene Pilz)

Als wir 1945 in der Tschechei die ersten Zeitungen aus dem Reich in die Hände bekamen, es waren dies die ersten Nummern der Frankenpost Hof, die heimlich über die Grenze gebracht wurden, da stellte ich mit große Freude und Genugtuung fest, dass die Sozialdemokratische Partei ihrer Tätigkeit wieder aufgenommen hatte. Im Januar 1946 kamen wir nach Coburg. Wir wohnten noch im Flüchtlingslager in der Lutherschule...

...Senta Kurth stand ihr hilfreich zu Seite und belief mit ihr alle notwendigen Wege, vor allem mussten wir Räumlichkeiten haben. Nun alle Schwierigkeiten wurden tatkräftig überwunden und im Oktober eröffneten wir in der Bahnhofstr. 34 unsere Arbeiterwohlfahrt mit Nähstube und Beratungsstunden für Hilfsbedürftige.

Unsere erste Arbeit, die uns von Nürnberg gestellt wurde, war, wir sollten feststellen, wieviele Paar Schuhe für die Schulkinder nötig gebraucht würden. Das war sehr schwer. Tatsächlich brauchte jedes Kind Schuhe und nun sollte festgestellt werden, wer sie am allernötigsten brauchte. Im September waren in den Bezirken Sammlungen durchgeführt worden. Die Bezirksfrauen hatten beträchtliche Summen zusammengebracht und der AW überwiesen. Unsere nächste Aufgabe war die Schulspeisung. Die freien Wohlfahrtsverbände stellten sich dazu zur Verfügung und so stellte auch die AW ihre Helferinnen. Wir übernahmen die Verteilung in der Rückertschule.

Um unsere Nähstube in Gang zu bringen, sammelten wir in unseren Bezirken Kleider, Wäsche, Nähgarn usw. Durch hilfreiche Spenden aus Amerika und Schweden konnten wir im Oktober an 100 hilfsbedürftige Familien Lebensmittelspenden verteilen. In fünf Weihnachtsfeiern stellten wir unsere Mitarbeiterinnen, Montag, den 23.12. bescherte die AW 120 Familien mit zum großen Teil in unserer Nähstube gearbeiteten Kleidern u. Wäsche, aber auch Geld und Lebensmittel kamen zur Verteilung.

Den Winter über trafen sich die Helferinnen mittwochs und freitags in der Nähstube und nähten für die Flüchtlinge sowie für heimkehrende Kriegsgefangene. Die AWO veranstaltete auch einige Kulturabende. Vom 13. - 18.02.47 fand in den Räumen der AWO ein Helferinnen-Kurs statt. Gen. Petrasch, Nürnberg, sprach über die Entstehung und die Aufgaben der AWO. Gen. Müller sprach über die Aufgaben des Jugendamtes und Gen. Timm sowie Gen. Bartelmeß über die Arbeit des Wohlfahrtsamtes.

Vom 19. - 20.04.47 war in Nürnberg die Landeskonferenz der AWO. Im April sammelten die Helferinnen der AWO Adressen von Kriegsgefangenen, um ungefähr festzustellen, wieviele noch in russ. Gefangenschaft sind. Ich habe 50 Adressen abgegeben. Die AWO Coburg veranstaltete in den Landgemeinden Werbe-Abende mit Hilfe von Stöhrs Puppenbühne, welche nachmittags Kindervorstellungen und abends für Erwachsene 2 Einakter bot. Dabei warben wir in kurzen Ansprachen für den Kreisverband, welcher dann am 14.06.1947 in Coburg gegründet wurde. Ich sprach in Hassenberg.

Im April begann wieder die Schulspeisung, erst werden die Restbestände noch verteilt, im Mai bekommen dann alle Kinder Speisung. Diese wird für Rückert- und Lutherschule in der Rückertschule gekocht und von unseren Helferinnen ausgegeben. Für die Erholungsfürsorge werden von der AWO 2.000,-- RM zur Verfügung gestellt, so dass 20 Kinder ins Zeltlager nach Treuchtlingen fahren können; 6- bis 10-jährige können ins Flüchtlings-Kindererholungslager Markt Bibart geschickt werden. Auch da fahren drei Helferinnen mit. Ich war vom 4. - 18. Aug. als Helferin mit dabei. Außerdem werden den Falken und der Gewerkschaftsjugend Geld und Milchspenden fürs Ferienlager gegeben. Im August ist die Landessammlung für die Heimkehrer, welche 50.000 RM einbringt. Am 23.08. feierten wir die Eröffnung des Kindergartens. Die Spitzen der Behörden waren dazu eingeladen. Mit 47 Kindern und 2 Kindergärtnerinnen fangen wir an. Anschließend an die Feier im Kindergarten war im Hofbräu eine Feierstunde für Heimkehrer.

 

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